Roadtrip quer durch  Alaska

Alaska-die große Weite & Roadtrip

Rolands Lossos Traum seit 12 Jahren. Immer wieder zieht es ihn dorthin. Zur großen Leere, zur unendlichen Freiheit, zur Grenzenlosigkeit. Nach Alaska. Und dann zum Mt. Mc Kinley. 2014 war es sicher schon der fünfte oder sechste Versuch, diesen sehr sehr kalten Berg in den schier unüberwindbaren Weiten von Alaska zu besteigen. Und diesmal wollten wir dabeisein: Na wenigstens ein bisschen. Während Roland und seine sechs Freunde, alle aus Südtirol, ihren Traumberg erneut versuchten, zu bezwingen, wollten wir etwas später nachkommen.

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Der Mt. McKindley aka Denali

Der 6194 Meter hohe Mt.McKinley  und in Alaska vorwiegend “Denali” – Der Große, genannt,  ist einer der kältesten und auch gefährlichsten Berge der Welt und zählt zu den Seven Summits. Alleine die Anreise zum Fuße des “Großen” erfordert genaueste Planung und monatelange Vorbereitung. Dann erst kann von Talkeetna aus gestartet werden, dem “Hauptangriffsort” sozusagen.  Übrigens liegen 17 der 20 höchsten Berge der USA  in Alaska und 19 der Gipfel überragen mehr als 4600 Meter.

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Roadtrip durch Alaska:

Anchorage

Nicht jedem ist das Traumziel meines bergbesessenen Gatten geläufig. Also anfans etwas Geschichte und Georgrafie.  Alaska  – Alaxsxaq , bedeutet so viel wie “Land wo das Meer anstrandet”  oder auch Alyeska “Grosses Land” oder Аляска. Der 49. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) hat eine Gesamtflächen von ca. 1,717 Millionen Quadratkilometer  und ist somit der größte US-Bundesstaat und die größte Exklave der Welt.

Mit seinen 731 449 Einwohnern (Stand 2010) gibt es also 70,6 % Weisse, 15,3 % Indianer + Natives , 6,1 % Hispanics, 4,5 % Asiaten, 4,3 % Afroamerikaner und 0,7 % Hawaiianer,  somit weist Alaska die geringste Bevölkerungsdichte aller US-Staaten auf. Man braucht dort also keine Zäune, um sich abzugrenzen. Zwar ist Juneau die Hauptstadt, doch das weiss eigentlich keiner, doch immerhin ist sie die einzigste Hauptstadt der USA, die nur über den Wasserweg oder per Flugzeug zu erreichen ist.

Die heimliche Hauptstadt indes ist Anchorage, dort wo auch unsere Truppe für die etwas andere Reise startete. Schon allein die Zeitverschiebung war gewöhnungsbedürftig. Manuel, unser Sohn, Rosy, Günthers Partnerin und ich kamen gegen Mitternacht in Anchorage an, wo uns Günther Pircher und Roland freudestrahlend empfingen. Sie waren gerade braungebrannt, na ja eigentlich braun gegerbt von ihrer Mt Mc Kinley Expedition zurückgekommen. Leider hatte es auch diesmal nicht geklappt, das Wetter hatte erneut Kapriolen gespielt, von mehr als 1000 Anwärtern auf den Gipfel, hatten es bis jetzt ganze vier geschafft.

Wir indes befanden uns mitten im Jetleg. Zehn Stunden Unterschied trennten unsere Biologie und das Land, in dem wir nun plötzlich hineinkatapultiert worden waren. Doch diese Helligkeit auch noch gegen Mitternacht und das trotz des fast 24 Stunden währenden Fluges mit Zwischenstopp in Houston, machte uns plötzlich wieder munter. Manuel war aus Wien eingeflogen und die Familienzusammenführung am anderen Ende der Welt klappte wieder einmal hervorragend.

Um das Ganze praktisch zu erklären: Der Ort Barrow liegt nur mehr rund 1287 Kilometer vom Nordpol entfernt. Wenn also am 10. Mai die Sonne in Barrow aufgeht, dann geht sie für die kommenden 90 Tage nicht mehr unter und wenn sie am 18. November dann endlich wieder herniedersinkt, kann man sie für mehr als zwei Monate nicht mehr in Barrow sehen. So einfach ist das.

Alaska ist auf ganzer Ebene ein Land der Superlative. Es gibt nicht nur die höchsten Berge dort, sondern auch die tiefsten Tiefen. So ist der Aleutengraben mit seinen 7600 Metern Tiefe unfassbar tief und von den weit über 70 Vulkanen rauchen auch heute noch einige dezent herum. Ganz zu schweigen von den Seen: Selten zuvor hatten wir etwas derarte Klares, Atemberaubendes und in den Farben hellgrün bis tiefblau schimmerndes gesehen. Mehr als 3 Millionen diese Naturwunder und weit über 3000 Flüsse, der längste davon ist der Yukon mit seinen 3093 Kilometern und somit der drittgrößte der USA, gibt es in Alaska.

Gut. Nachdem Roland und Günther ausgiebig darüber berichtet hatten, warum der “Große” auch diesmal nicht zu bezwingen war, der Rest der Gruppe war schon abgereist, beschlossen wir fünf uns diese Wochen so spannend wie nur möglich zu gestalten. Spannend? Ja aber selbstverständlich. Viele glauben Alaska sei nur kalt, langweilig und dann erneut kalt. Weit gefehlt. Abgesehen davon, dass Rolands Traum und sein Begehren seit etlichen Jahren einem der klimatisch extremsten Berge der Erde gilt und den Alpinisten durch schlechtes Wetter, starke Winde und Eiseskälte extrem zusetzt, gibt es in Alaska auch sonst einiges zu erkunden. Extrem bleibt es aber auf jeden Fall. Für die meisten Bergsteiger ist der Mount McKinley der schönste Berg der Welt. Sein Massiv erhebt sich aus nur 600 Metern Meereshöhe ins Majestätische und erreicht dann weit mehr als 6000 Meter. Temperaturstürze bis minus 40 Grad Celsius und arktische Stürme mit Windgeschwindigkeiten bis 150 Kilomtern in der Stunde sind keine Seltenheit.

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Talkeetna

Wir besorgten uns ein bequemes Fahrzeug und brachen auf mit dem Ziel: Talkeetna. Talkeetna liegt rund 300 Kilometer von Anchorage entfernt und ist an den Wochenenden somit Ausflugsziel für viele Städter. Der Ort gilt als absoluter Ausgangspunkt für Bergsteiger und Abenteurer. Die Erzählungen unserer Männer waren denn auch nicht übertrieben. Was uns in Talkeenta erwartete faszinierte ohne Zweifel. Ganz nach Goldgräbermanier präsentiert sich der wunderschöne Ort genau am Fuße des höchstens Berges des Landes und hat auch sonst alles, was die Herzen von Alaskafans gleich höher schlagen lässt. Weite Wälder, Seen, kuschelige Blockhäuser, kleine Coffeshops und Restaurants und einen atemberaubenden Blick auf den Denali. Sofern das Wetter passt. Die Kleinstadt hat nicht umsonst auf ihre Fahnen geschrieben: “Where the roads ends and life begins” und auch die verrückte Geschichte mit der Katze als Bürgermeister ist wahr und lässt einige Schlüsse auf deren heitere Bewohner ziehen.

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Eine Katze als Bürgermeister!!!

Mit etwas Glück findet man sie in der berühmtesten Kneipe des Ortes, im Mayor Stubbsnach der berühmtesten aller Katzen in den USA benannt, die regelmäßig Niederschlag in allen Medien sogar weltweit findet. Und das ist kein Witz: In Talkeetna hat das Volk eine Katze zum Bürgermeister gewählt und das schon vor 15 Jahren. Warum auch nicht. Gut möglich, dass sie längst gegen eine jüngere ausgetauscht wurde? Wer weiss das schon? So wird Talkeetna wahrscheinlich auch mit der “ältesten regierenden” Katze in die Geschichte eingehen. Kein Mensch dort dürfte auch in den kommenden 100 Jahren diesen Mythos zerstören wollen. In der Toilette der Kneipe pflastern Dutzende Artikel über die Katze die Wände des stillen Örtchens. Und auch sonst ist alles easy: Selten zuvor waren wir so vielen Freaks auf einem Haufen begegnet. Sie schienen die Leichtigkeit des Seins gepachtet zu haben. Wir konnten ihr gar nicht entfliehen, dieser Menge fröhlicher Leute, die in Talkeetna ein mehr als entspanntes Dasein zu führen scheinen. Allegria, Das heist auf Italienisch: Fröhlichkeit. Warum auch nicht?

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Allegria heisst Lustigkeit

Und Allegria schlug sich den auch abends in der Dorfdisco nieder. Oder war es noch Tag? Wer kann sich hier noch orientieren? Die Disco hält täglich von 5 bis 5 offen. Wenn sich die Kneipe gegen Mitternacht so richtig füllt und die Liveband ihren höllischen Sound produziert, wird es draußen langsam Nacht. Drinnen indes rockt und grölt alles was sich noch auf den Beinen halten kann in den abgedunkelten Räumen. Neue Freundschaften werden geschlossen und alte besiegelt. Wer hier keine Leute kennen lernt, ist selber schuld. Oder depressiv. Es ist schon rein rechnerisch unmöglich. Während ich gleich vom Sessel kippe, da mich ein schier unerträglicher Jetleg einholt, feiern meine Leute munter weiter. Nach dem dritten Nickerchen beschließe ich unsere bescheidene Hütte mitten im Wald aufzusuchen, dort hatten wir uns kuschelig einquartiert. In Stockbetten ganz romantisch und nach dem Prinzip “einfach und gut”. Nach und nach gesellten sich dann auch die anderen dazu. Nur einer fehlte: Unser Göttersohn Manuel

Goldgräberstimmung und Kopfweh

Irgendwann mitten in der Nacht, eigentlich war es weit nach 4 Uhr früh, ein Holpern und Poltern draußen vor der Hütte im Wald. Ein Quad entfernte sich. Dass der Whiskey seine Wirkung vollends entfaltet hatte, war ihm deutlich anzusehen. Die Grenzen waren längst verwischt gewesen, als Manuel noch mit rund zehn Eingeborenen wegen irgendwelcher Schürfrechte in irgendeiner Goldmine diskutierte. Keine Nationalität, keine Hautfarbe, keine Frisur und schon gar keine Weltanschauung konnte in dieser Nacht neuen Freundschaften entgegenwirken. Alle waren eins und sich einig sowieso. Dann folgte eine Höllenfahrt mit dem Quad etwas außerhalb Talkeetnas quer durch die Wälder und die Ernüchterung, dass man genau jetzt und um diese Zeit wohl kein Gold mehr finden würde. Nirgendwo.

Manuel wurde zurück  zur  Hütte gebracht. Mit blauem Auge und geschwollener Wange kam er dort an. Denn auf dem Heimweg habe es noch einen saftigen Überschlag mit dem Quad gegeben. Ein Segen, dass alles glimpflich abgegangen war. Nur ein paar Stunden Schlaf folgten mit Verirrungen in fremde Betten auf der Suche nach der Toilette zwischendurch. Gut. Die allgemeine Erheiterung bei uns hielt sich zwar in Grenzen. Doch der Jugend verzeiht man ja einiges.

Die Kopfschmerzen dann seien höllisch gewesen. Das ließ der Unglückliche uns wissen. Nichtsdestotrotz sind wir aufgebrochen Richtung olHolperHoNorden über eine grüne Wald-, Sumpf-, Fluss- und Seelandschaft. Eine leise Vorstellung der ungeheuren Dimensionen eines Landes, das fünf Mal so groß ist wie Deutschland, aber nur 700.000 Einwohner hat, überkommt uns. Wir genießen die endlosen Weiten und fahren ins Nichts. Dass Nichts so schön sein kann, ist einfach unvorstellbar. Darüber sind sich bald alle einig. Es geht Richtung Denali Nationalpark. Unser Staunen ist grandios wie die Landschaft.

Denali National Park

Viel hatten wir darüber gehört, und Roland hatte uns auch schon einiges darüber erzählt. Nun waren wir gespannt. Die Fahrt bis dorthin haben wir sehr genossen, eine etwas ganz und gar andere Reise erlebten wir gerade. Dauernd hielten wir nach Bären Ausschau. Doch diese wollten sich nicht zeigen. Und dies obwohl in Alaska ca. 50.000 Schwarz- und ebenso viele Grizzlybären leben. Bei längeren Wildnisaufenthalten komme es also fast zwangsläufig zu Begegnungen mit ihnen. Überall wird darauf hingewiesen, wie man sich bei einer “Bärenbegegnung” verhalten sollte. Da Bären unberechenbare Tiere sind, ließe sich ihr Verhalten nur bedingt voraussagen und hänge von vielen Faktoren ab. Den Bären vor Überraschungen bewahren sei oberstes Gebot so hieß es immer wieder. Dazu gehörten Geräusche machen, in die Hände klatschen, laut sprechen oder singen und auf ihre Spuren achten. Auf allen Zeltplätzen hingen eindrückliche Hinweisschilder und auch Fotos, wie Bären gewütet hatten, wenn sie irgendwo Essen gefunden hätten.

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Bärspray könnten sehr effektiv sein, doch auch Gespräche mit dem Bären. Ja tatsächlich Gespräche. Sofern einer dazu noch den Nerv hat. So heisst es in einer Bärenwarnung: “Sprechen Sie mit dem Bären, zeigen Sie ihm, dass Sie ein Mensch sind. Schreien Sie nicht, laufen Sie nicht davon. Das kann den Jagdinstinkt auslösen. Der Bär ist sowieso schneller als Sie.” Eine Studie habe gezeigt, dass in 89% aller Bärenunfälle Nordamerikas, Einzelpersonen verwickelt waren. In 8% der Fälle waren es Zweiergruppen und nur in 3% aller Fälle drei Personen. Aufgrund all dieser Hinweise sind wir eigentlich recht froh keinem Bären zu begegnen.

Den knapp 24.585 km² großen Denali-Nationalpark erreichten wir abends. Die Suche nach eine Unterkunft war gar nicht so einfach, alles in unmittelbarer Nähe war ausgebucht oder zu teuer. Mit 70 bis 130 Dollar pro Zimmer und Übernachtung mussten wir in Alaska durchwegs rechnen. Man zahlt dort wie in den USA das Zimmer. Meist ohne Frühstück. Bei uns war das geteilt durch drei, was uns wieder als akzeptabel erschien.Auch diesmal war uns das Glück wieder hold und wir kamen in einer außerordentlich netten und schnuckeligen Anlage, die aus mehreren Fertighütten bestand für rund 50 Dollar unter. Diese Hütten waren auch noch mit sehr guter Heizung und Internetanschluss ausgestattet. Hurra. Das fanden wir luxuriös hier draußen.

Die Temperaturen können im Mai nachts noch drastisch sinken, sodass ein warmes Plätzchen hinter dem Ofen angesagt ist. Unter Tage hatten wir recht angenehmen Sonnenschein bis zu 20 Grad. Gut, die Karibik war es nicht, doch wir hatten Schlimmeres erwartet.

Der Park wird jährlich von über 400.000 Menschen besucht und stellt ein einmaliges Erlebnis weitestgehend unberührter Natur und Wildtierbeobachtung dar. Wir fuhren per Bus quer durch den Park was einen ganzen Tag dauerte und zwar bis hin zum Wonder Lake. Ein genialer Blick auf den Mount McKinley war uns erneut gewiss.

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Die Vegetation in Denali mit Mischwald bis hin zur Tundra ist spektakulär, wilde Täler und Flüsse, Seen, tiefschwarze Wälder mit Kiefern so sehr viel kleiner als wir sie kennen und gerade und schlank gewachsen scheinen sie sich aneinanderzuschmiegen. Aus Schutz vor der Kälte. Wenngleich wir auch keine Bären gesichtet haben, so doch einige andere Tiere. Springböcke. Eichhhörnchen, Wühlmäuse, Adler. An den Berghängen, insbesondere am Polychrome Pass gab es jede Menge Dall-Schafe aus nächster Nähe zu beobachten.

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Weiter nach Fairbanks und Santa Claus

Weiter oben im Norden befindet sich Fairbanks mit rund 100.000 Einwohnern als zweitgrößte Stadt Alaskas. Die Fahrt dorthin wieder mit atemberaubender Natur, an der wir uns Tag und Nacht laben, immer wieder stehen bleiben und einfach nur staunen: Wie nur ist es möglich, dass soviel Weite so unglaublich schön sein kann? So viel Nichts so von Fülle durchdrungen? Die Wälder endlos und ohne Horizont scheinend. Wir staunen jeden Tag über diese endlos scheinende Größe.

Dann Überraschung in North Pole, nur einige Kilometer von Fairbanks entfernt mit seinem Santa Claus. Die gesamte Gemeinde mit ihren 2.200 Einwohnern hat sich das ganze Jahr hindurch auf den Weihnachtsmann eingestimmt und zelebriert dies bis zur Vollendung. Die Straßen heißen Santa Claus Lane, Kris Kringle Drive und Mistletoe Lane und übernachten kann man auf einem Santaland RV Park. Spielzeug in rauhen Mengen und Weihnachtsschmuck bis zum Umfallen bekommt man im Santa Claus House. Vor der Tür versucht eine gigantische Santa Claus Figur Autofahrer herbeizuwinken. Im Park gleich angrenzend werden die dazugehörenden Rentiere präsentiert.

Im Dezember soll es in North Pole lebhaft zugehn, wenn das jährliche Ereignis‚ “North Pole Christmas Ice Contest‘”Eisskulpturen-Schnitzer aus der ganzen Welt anzieht. Beim Winter Festival gibt es ein großes Unterhaltungsprogramm und ein Feuerwerk. Nationale TV Sender senden dann auch live aus dem Santa Claus House und im Postamt, dem North Pole Post Office an der South Santa Claus Lane, treffen jährlich über 400.000 Briefe ein, die an ‘Santa Claus, North Pole, Alaska‘ adressiert sind. Dann beantworten ganze Teams von Freiwilligen jeden einzelnen Brief persönlich.

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Chena hot springs

Nur ein paar Stunden entfernt und noch weiter nördlich gibt es die Chena Lake Recreation Area, die auch wir uns nicht entgehen ließen. Ein östereichisches Ehepaar, das wir in North Pole getroffen haben, hat davon geschwämt. Die Fahrt dorthin gestaltete sich schon recht abenteuerlich. Stundenlang begegnet man wiederum niemanden. Alle 20 Kilometer stehen lediglich zwei Dutzend Postkästen am Rande der Straße, die irgendwo dort drinnen in den Wäldern Menschen vermuten lassen. Und dann hört die Staße plötzlich auf: Und eine beschauliche Wildnis tut sich auf. Mit urigen Holzhäuschen, einem Restaurant, Warmwasser-Schwefelquellen, Bibercreaks, Fischgründen und weiten Wegen, die zu erkunden einladen. Die heissen Quellen von Chena Hot Springs sind weltberühmt, die Tierwelt dort grandios und der Anblick der Nordlichter spektakulär. Einst von Ureinwohnern und Bergleuten entdeckt, bietet der Ort heute eine wahre Oase der Ruhe und Entspannung. Ein Higlight ist das Eismuseum im Chena Resort, wo mit mehr als 1000 Tonnen Eis und Schnee eindrucksvolle Eisskulpturen geschaffen wurden.

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Elche, Rentiere und Biber gibt es hier zuhauf, man muss nur das Glück haben, sie auch zu sehen. Wir machten uns auf zum Biber Creek, wo die possierlichen Tiere meterhohe Dämme gebaut hatten und somit ganze Seen fluten. Roland und Manuel probierten sich beim Fischen. Und fingen gottlob nichst. Lange Spaziergänge in die Wälder, immer mit dem Gefühl, ein Bär, ein Elch oder sonst ein Tier steht uns gleich gegenüber. Dann der Besuch bei den Huskies. 94 Schlittenhunde waren auf dieser Farm beheimatet, jeder hatte sein eigenes Häuschen, leider alle angebunden. Dann kam Cherryl und erklärte uns einiges über die Tiere, und sie machten auf uns nicht den Eindruck als ob sie verschreckt oder schlecht gehalten wären. So genossen wir die Zeit dort sehr, die heilsame Natur, die Menschenleere. Nie zu vor hätte man sich dies auch nur annähernd vorstellen können. Im Horizont nur mehr die Freiheit. Fühlt sich so Glück an?

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Valdez

Wiederum eine sehr lange Fahrt lag vor uns. Wir wollten nach Valdez. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Valdez als Hafen für die nach Alaska drängenden und den Valdez Trail nutzenden Goldsucher angelegt. 1964 aber wurde der Ort durch das Karfreitagsbeben und eine unmittelbar darauf folgende Flutwelle fast vollständig zerstört. Doch nach der Katastrophe hat man die Stadt am Prince Williams Sound in Rekordzeit wieder aufgebaut. Traurige Berühmtheit indes erlangte Valdez als Namensgeber des Öltankers Exxon Valdez, der 1989 in der Nähe havarierte und eine Ölpest verursachte, bei der rund 42 Millionen Liter Rohöl ins Meer flossen. Allerdings soll kein Öl das Stadtgebiet erreicht haben.

Erneut endlose Weiten mit noch endloseren Wäldern, wir passierten Pässe und Gletscher, die ins Meer kalbten, eine schier unendliche Geschichte an nie dagewesenen Naturereignissen säumte unseren Weg. Elche mit ihren Jungtieren zeigen sich links und rechts der Straße und einmal überquert einer direkt vor uns die Straße. Sie sind größer als erwartet, ja erreichen gut und gerne die Größe eines Rennpferdes, doch sind sie sehr viel robuster . Und ihre schaufelartigen Geweihe mit Spannweite bis zu zwei Metern fllößen Respekt ein.

Wir kamen abends an und quartierten uns in einem schnuckeligen Motel ein. Wärme war wichtig, so auch hier. Mitten im Mai. Doch die Daunenjacke tat ihre wohlige Wirkung. Tags darauf sollten wir eine beeindruckendsten Erlebnisse unseres bisherigen Dasein haben.

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Der Prince William Sound

Wir buchten direkt am Pier, der Kapitän hatte long time ago einmal italienische Vorfahren und tags darauf schipperte er mit uns auf die offene See hinaus. Welch ein Abenteuer. Es dauerte nicht allzulange als sich die ersten Seeottern zeigten. Auf dem Rücken liegend, schienen sie uns zuzuwinken. Die Bucht des Golfs von Alaska hat eine knapp 5000 km lange Küstenlinie und liegt östlich der Kenai-Halbinsel. Im Osten,Norden und Westen wird sie umrahmt von den Chugach Mountains. Nach und nach zogen wir an Seelöwen vorbei und über uns kreisten die Seemöwen und die Seeadler. Eine beeindruckende Landschaft tat sich auf. Roland hatte dies alles schon erlebt und schwelgte nun stolz die Brust: Endlich konnte er uns zeigen, was ihn an diesem Land so sehr faszinierte. Wir waren mehr als beeindruckt. Wenn wir Glück haben, sehen wir heute auch Wale. Das prophezeite uns der Kapitän. Immer noch schien uns dies alles reht surrealistisch. Überall wo der Kutter sich auch hinbewegte, Wale waren nicht in Sicht. Die Hoffnung schwand irgendwie. Sollte alles nur in wahnwitzigen Erzählungen stattfinden?

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Wale in Sicht

Plötzlich dann stand Günther auf und zeigte auf einen Punkt im Meer. Dort sind sie sagte er in seiner stets abgeklärten Art. Wo? Dort. Wir gaben dem Käpten Bescheid, und sofort manövrierte er seinen Kahn genau dorthin wo Günther die Kolossen des Meeres vermutet hatte. Tatsächlich. Bald schon tauchte eine riesige Flosse aus dem Meer. Wir konnten es nicht fassen. Der Wal umschwamm unser Boot mehrmals. Dann zeigte sich etwas Bemerkenswertes auf dem Echolot. Es waren zwei, die uns augenblicklich ein spektakuläres Schauspiel bieten sollten. Es sind drei, betonte nun der Kapitän. Ein Baby ist auch dabei. Familie Wal hatte uns auserkoren. Herr und Frau Wal tauchten vor unser aller Augen immer wieder aus dem Wasser, ja sie lehnten sich an den Rand des Bootes und schauten uns neugierig direkt ins Gesicht. So etwas hatten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet. Nach dem Abtauchen, folgten alsbald meterhohe Fontänen, die ankündigten, dass der Riese gleich wieder auftauchen würde. Immer wieder zeigten sich die beiden in ihrer prachtvollen Größe, während das Baby stets unter den Eltern dahinschwamm und sich nicht blicken ließ.

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Diese Walfamilie hier bot uns ein Schauspiel der ganz besonderen Art. Wir waren allesamt bis ins Mark erschüttert und gerührt. Beim Abtauchen schlugen die Wale abwechselnd mit ihren imposanten Schwanzflossen, so als ob sie uns außerordentlich beeindrucken wollten. Niemals zuvor hatten wir so etwas Grandioses erleben dürfen.

Nach fast einer Stunde drehten sie ab, schlugen noch einmal mit der Floss auf und entfernten sich. Auch nachhaltig konnten wir unser Glück kaum fassen. Kein Kino der Welt hätte uns so etwas bieten können. Wenn man bedenkt wie rücksichtslos diese Tiere immer noch abgeschlachtet werden und wie zutraulich sie sich uns hier zeigten, so kann man die Walfänger umsoweniger begreifen. Die Riesen der Meere begegnen dem Menschen voller Vertrauen, sehr oft bezahlen sie ihre Zuneigung mit dem Leben.

Der Gletscherbruch

Unser Schiff tuckerte weiter. Hinein in die Tiefen des Eises. Links und rechts säumten Eisschollen unseren Weg und sie wurden immer größer und schimmerten tiefblau bis durchsichtig. Gewaltig baute sich die bis zu 80 Meter hohe Eisfront des Columbia-Gletschers vor uns auf. Das größte angrenzende Eisfeld, das auf einer Länge von 10 km im Norden in die Bucht mündet, sollte uns (und dem Kapitän) noch Kopfzerbrechen bescheren. Wir waren schon spät dran auf unserer Fahrt durch das Eismeer. Die Robben, die Seeadler und nicht zuletzt das grandiose Schauspiel mit den Walen hatte viel Zeit gekostet. Als wir den immer wieder abbrechenden Gletscher bestaunten und gar nicht mehr genug davon bekommen konnten, frierend und bibbend vor Kälte, schienen auch der Käpten und seine beiden Helferinnen die Zeit vergessen zu haben. Wir fotografierten, liefen das Boot auf und ab, genossen, aßen und tranken. Immer und immer wieder brachen vor uns tonnenschwere Gletscherbrocken ins Meer ab, während wir nicht weit davon mit unserer lächerlichen Nussschale hin und herschaukelten.

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Hier zeigt die Schöpfung dem Menschen wie klein und bedeutungslos er im Grunde ist. Euphorische Adrenalinstöße durchströmten unsere Köper und was diese nicht schafften, taten die nachfolgenden Dopamin- und Seratoninausschüttungen.

Eistürme wohin man schaut

Und dann erschien uns das Meer und insbesondere die Straße zurück plötzlich so völlig anders als noch Stunden zuvor. Auch waren wir nun allein. Noch bis vor kurzem war hier ein weiteres Boot gewesen. Eisberge türmten sich plötzlich neben uns auf, wo vorher keine gewesen waren, die Landschaft zeigte sich feindlicher als noch vor wenigen Stunden. Der Kapitän drosselte die Geschwindigkeit des Bootes, das sich in Zeitlupe einen Weg durch das vor uns immer wieder zufrierende Gewässer suchte. Die Temperaturen waren drastisch gesunken und das Wasser vor uns war nun pures Eis. Die Stunden schlichen endlos dahin, Rosy schaute mich fragend an, doch weder ich noch sonst jemand hatte eine Antwort parat.Ob denn dies hier normal sei wollten wir schließlich wissen. Nein “normal” war dies nicht mehr, gab auch der Kapitän zu, doch er werde es schon schaffen.

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Mit etwas Geduld werde er uns aus dieser Eishölle hier manövrieren. Es wurde schon Nacht. Als wir mit einigen Stunden Verspätung endlich wieder im sicheren Hafen von Valdez angekommen waren, stand allen die Erleichterung im Gesicht geschrieben. Die Praktikantin, ein junges Mädchen, das seit drei Monaten hier zur Lehre war, durfte das Boot die letzten Hunderte Meter tatsächlich zu sicheren Ufern lenken. Eine Herausforderung ohne Zweifel.

Seward

Es blieben uns nach der Rückkehr nach Anchorage noch ein paar Tage. Die wollten wir für einen Ausflug ins rund 100 Kilometer entfernte südlich gelegene Seward nutzen. Die Fahrt dorthin führt vorbei an eine alte Goldgräbermine, der Gold Creek Mine wo noch echte Goldgräberstimmung aufkommt. Ein alter Goldwäscher erklärte uns sein Leben und erzählte von seinen Abenteuern, die nun hier in dieser aufgelassenen Miene zu Ende gehen würden. Und die Straße entlang der wilden Küste mit ihren immer wiederkehrenden Hinweisschildern, dass man gestrandete Wale mit Wasser benetzen soll, um dann unverzüglich eine Walnotrufnummer anzurufen, hat Seltenheitswert. Einen Halt legten wir im interessanten Wildlife Conservation Center ein, einem Wildpark, der Bären, Karibus, Elche und Moschusochsen und viele weitere Tiere aufnimmt, die irgendwo aufgegriffen wurden. Endlich sehen wir hier die ersten Bären aus nächster Nähe. Wenn auch nicht ganz in freier Wildbahn. Doch wir sind dennoch sehr beeindruckt von den drei Braunbären und dem Schwarzbär, die allesamt irgendwann aus misslichen Situationen gerettet worden waren und hier nun relativ frei leben dürfen. Die Bären erscheinen uns riesig, sie richten sich auf, schaben ihre Rücken an den Bäumen oder legen sich einfach in die wärmende Sonne. Wir bleiben hier Stunden und genießen den Anblick der Tiere. Die Felle der Moschusochsen hängen in Fetzen von ihren Körpern. Sie leben hier in Rudeln. Auch ein paar Elche sichten wir im seichten Wasser des Sees.

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Erstaunt sind wir auch immer und überall über die freundlichen und entspannten Menschen, ihre Liebenswürdigkeit, ihre Stresslosigkeit. Wie nur ist es möglich, dass ein an und für sich hochzivilisiertes Volk so ganz in Abwesenheit von Stress und Zeitmangel leben kann. Und dies imstande ist auch noch glaubhaft zu vermitteln. Resümee unserer Aussteiger-Reise durch Alaska: Nicht ganz billig. Doch eine Rückkehr zur Natur. Und die Rückkehr zu sich selber ist sowieso unbezahlbar. Die grandiose Wildnis, die endlosen Weiten, der Horizont, der kein Ende zu nehmen scheint, die langen Tage und kurzen Nächte, das Nichts. Empfehlens- und nachahmungswert. Alaska hat uns gelernt mit nichts weiter als purer Natur zufrieden zu sein. Zufrieden mit NICHTS im NICHTS.

 

Alle Fotos by Roland&Manuel Losso

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Hallo, ich bin Christine Losso, Journalistin. Buchautorin und Bloggerin... Es kann einem nichts Besseres passieren als das Glück zu haben, um die Welt zu ziehen, um neue Kulturen, neue Perspektiven und neue Menschen kennen zu lernen: Für sich selber und für die Allgemeinheit. Ich möchte euch mit unseren mehr oder weniger verrückten Geschichten rund um den Globus etwas unterhalten und erheitern...

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