Einfach mal machen: Eine Weltreise mit dem eigenen Segelboot

Einfach mal machen…

In unserer neusten Serie auf dem Blog „Einfach mal machen“ möchten wir euch Menschen vorstellen die ähnlich wie wir selber, ihren ganzen Mut zusammen genommen haben um ihren Träumen zu folgen.

Menschen die es einfach mal so gemacht haben und irgendwo auf der Welt, sich nieder gelassen haben um etwas Neues zu beginnen. Egal ob es sich dabei um etwas für die Ewigkeit oder für eine gewisse Zeit handelt.

Auch ist es uns wichtig in dieser neuen Serie Menschen vorzustellen die sich neben ihrer Unternehmerischen Tätigkeit auch noch für Soziale Projekte engagieren.

Mit dem eigenen Segelboot um die Welt…

Bitte stell dich kurz vor und erzähl uns etwas mehr über dein Leben am Segelboot

Mein Name ist Sabine, Jahrgang 1964 und ich war in Deutschland als Bilanzbuchhalterin beschäftigt.

Seit 2014 lebe ich mit meinem Mann Joachim auf ‘Atanga’, unserem Segelboot. Atanga ist knapp 13 Meter lang und 4 Meter breit. Wir teilen uns also einen Wohnraum von ungefähr 25 Quadratmetern. Von Hamburg aus sind wir vor vier Jahren gestartet, um die Welt zu umsegeln.

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Erfolgreiches Ende der fünftägigen Wanderung zur ‘Ciudad Perdida’ in Kolumbien.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr eine Weltreise mit dem Seegelboot macht?

Joachim und ich sind schon immer gerne gereist: Tauchreisen, eine Safari in Afrika oder mit dem Wohnmobil durch Neuseeland. Der Wunsch nach einer Weltreise wurde stärker und stärker. Überlegungen, wie das für uns zu realisieren sei, führten uns zu dem Schluss, dass dies nur mit einem Segelboot möglich ist.

Segeln konnten wir bereits und fortan haben wir uns auf eine Weltumsegelung vorbereitet; Bücher gewälzt, das passende Boot gesucht und ausgerüstet. Segeln ist nicht unsere Leidenschaft, sondern Mittel zum Zweck, die gesamte Welt zu bereisen.

Was war die größte Herausforderung der du dich stellen hast müssen?

Alles in Deutschland aufzugeben. Die Familie und Freunde. Und einen Job, der mir viel Spaß bereitet hat. Ohne zu wissen, ob wir es dauerhaft auf so engem Raum gut miteinander aushalten können.

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Haare schneiden auf hoher See Richtung Frazösisch Guyana

Wie macht ihr das eigentlich mit dem Visum? Bekommt ihr das immer direkt am Hafen? Bracht ihr überhaupt eines?

Der deutsche Pass ist ja einer der “besten” der Welt und nur für ganz wenige Länder benötigt man ein Visum.

Wenn wir in einem Land ankommen, müssen wir uns einen ‘Port of Entry’ als ersten Landfall wählen. Dort meldet man sich dann bei der Immigration. Je nach Land darf man selbständig von Bord und das Büro aufsuchen oder muss den Hafenkapitän per Funk anrufen.

Der sagt dann den Behörden Bescheid und Immigration, Gesundheits-Amt und wahlweise der Zoll kommt an Bord.

Bislang war alles ganz einfach und ohne Probleme. Natürlich muss man sich vorher über die Vorschriften informieren. Dank Internet kein Hexenwerk mehr. Oft wird viel sinnloses Papier voll geschrieben und wir mussten schon quer durch die Stadt an vier verschiedene Stellen pilgern.

Wichtig ist, dass man vom Land, das man verlässt eine sogenannte ‘Zarpe’ erhält. Die bescheinigt, dass man z.B. bis 15. August in Kolumbien war und nun auf dem Weg nach Panama ist.

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Atanga vor Anker in den San Blas Islands in Panama

Gab es auch schon einmal unangenehme Situationen auf hoher See?

Wir sind von Belize gegen die vorherrschende Windrichtung nach Kolumbien gesegelt. Der Wind betrug tagelang zwischen Stärke 6 und 7.

Das waren bockige, unangenehme Tage. Hoch am Wind zu segeln ist sehr unbequem. Das Boot hat eine dauerhafte Schräglage von 20 Grad und mehr, einfache Handgriffe werden zum Balanceakt. Nichts bleibt an seinem Platz stehen, man rollt in seinem Bett hin und her. Einfache Arbeiten, wie kochen und duschen, sind unglaublich anstrengend.

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Kurz vor dem Landfall in Guyana nach anstrengenden Nachtfahrten

Wie finanziert ihr euch eure Reise?

Wir haben in Deutschland alles verkauft: Haus, Möbel und Geschirr. Davon leben wir und von unserem Ersparten, was wir durch gut bezahlte Jobs zur Seite legen konnten.

Wie ist es seit 2014 auf einem Segelboot zu wohnen?

Es ist definitiv kein Dauerurlaub. Wir haben einen Haushalt zu versorgen und das Schiff in Ordnung zu halten. Wäsche waschen, einkaufen oder Ersatzteile besorgen, kann manchmal einen ganzen Tag oder länger in Anspruch nehmen.

Aber es ist unglaublich schön in einem unbekanntem Hafen anzukommen oder vor einer unbewohnten Insel den Anker fallen zu lassen. Die Freiheit hinzusegeln wohin wir wollen, ist unbezahlbar.

Kannst du dir vorstellen irgendwann wieder fix nach Europa zurück zu kehren?

Ja, das möchte ich sehr gerne. In Deutschland leben die Familie und Freunde, die vermisse ich zeitweise ganz arg. Das wird allerdings noch einige Jahre dauern. Wir sind im Vergleich zu anderen Weltumseglern recht langsam unterwegs.

Wir bleiben gerne an einem Ort viele Monate, dadurch lernt man das Land erst richtig kennen. Und wer langsam reist, reist preiswerter.

Wo seid ihr gerade aktuell unterwegs und wohin führt euch die Reise noch hin?

Wir sind gerade durch den Panama Kanal gefahren und wollen bis Endes des Jahres in Ecuador bleiben. Danach wollen wir in das Traumziel aller Langfahrtsegler: die Südsee! Von da sollen noch Neuseeland, Australien, Malaysia, Thailand, Madagaskar, Südafrika und Brasilien folgen, bevor es nach Deutschland zurück geht.

Das ist noch ein weiter Weg. 30.000 Seemeilen (55.000 km) Wasser trennen uns noch von unserem Ziel.

Mehr über Sabine und ihr Segelboot “Atanga” findest du auf dem Blog: atanga.de


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