Mit dem Bus und Zug von Nepal nach Indien: 28 Stunden Abenteuer pur!

Auf unserer Reise „Über Landweg von Kathmandu nach Dehli“ mussten wir von Pokhara (Nepal) über die Grenze bei Sonauli nach Indien. Wir wussten im Vorhinein, dass die Sache nicht ganz so einfach werden wird, aber dass wir so ein langes Abenteuer erleben würden, überraschte uns dann doch etwas….

Von Pokhara über Gorakhpur nach Varanasi

Aber ganz von vorne….

Nachdem wir endlich unser Visum für die Einreise über Landweg von Nepal nach Indien hatten (wie du dieses beantragst erfährst du hier) fuhren wir mit dem Minibus von Kathmandu nach Pokhara.

Die Stadt am Dewa See ist ein herrlicher Ort zum Entspannen und um die Seele baumeln zu lassen.

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Ich (Manuel) war mittlerweile schon fünf Mal in Pokhara und genieße es jedes Mal aufs Neue, Zeit an diesem sehr entspannten Ort zu verbringen (mehr über Pokhara kannst du hier nachlesen).

Nach zwei Tagen chillen und entdecken war es dann endlich soweit, wir mussten uns darum kümmern wie wir nach Indien kommen. Wir wussten, dass wir vorher nach Lumbini müssen, der Geburtsort von Bhudda , da waren wir bereits vor zwei Jahren und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum indischen Grenzort Sonauli.

Es gibt auch einen Bus der direkt von Kathmandu bis nach Sonauli bzw. Lumbini fährt, da uns das aber zu anstregend war entschieden wir uns für einen Stopp in Pokhara.

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Blick auf Pokhara

Vor zwei Jahren machten wir den Fehler und sind einfach spontan morgens zum Busbahnhof von Pokhara gegangen, um uns Tickets nach Lumbini zu kaufen, wir bekamen nur mehr Restplätze in einem etwas überholten Bus und ich musste mir damals mit einem Nepalesen einen Einzelplatz teilen…. und das für 11 Stunden, aber das ist eine andere Geschichte.

Dieses Mal wollten wir schlauer sein und haben uns im Vorhinein schon Bustickets an einer Travelagancy besorgt, da wir einen VIP Bus wollten, wer schon einmal in Nepal war, weiß in welch schlechtem Zustand die normalen Busse und Straßen sind, da zahlt es sich immer aus ein paar Rupies mehr zu investieren…

Alle Informationen über das reisen in Nepal findet du hier

So war unsere Überlegung, doch im Nachhinein betrachtet, war es eine ziemlich schwachsinnige Idee 😉

Unser Plan war eigentlich ganz einfach: Wir fahren mit dem Bus von Pokhara nach Sonauli, überqueren dort die Grenze, dann weiter mit dem Bus nach Gorakhpur ( das ist die erste indische Stadt nach der Grenze an der es einen Zugbahnhof gibt) und von dort aus mit dem Zug nach Varanasi… ganz einfach, so haben wir uns das zumindest vorgestellt… heute können wir über unseren Optimismus nur lachen =)

Das Abenteuer beginnt: mit dem Bus über Stock und Stein von Pokhara zur Indischen Grenze

Um 06:30 in der Früh machten wir uns mit unseren ausgeliehenen Motorrädern auf dem Weg zum Busbahnhof von Pokhara, der gebuchte VIP Bus entpuppte sich als ein ganz normaler alter nepalesischer Bus, ohne Aircon sowie Fenstern und Türen.

Normalerweise ist mir sowas total egal, aber ich wusste in welchem Zustand die Straße ist, deswegen wollten wir einen neuen Bus um mindestens ein bisschen das Gefühl von Sicherheit zu haben, aber was solls…

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Unser VIP Bus

Nach kurzer Diskussion steigen wir in den Bus ein und es ging schon los. Im Sommer hat es in Nepal sehr viel geregnet, deswegen waren die Straßen in einem noch schlechteren Zustand als bei unserer letzten Reise und das soll was heißen.

pokhara nach lumbini straßen nepal indien bus

In Nepal darf man sich keine gut asphaltierten Straßen erwarten, die meistens Straßen sind Schotterpisten die in den Berg hinein geschlagen wurden. An einer Seite der Straße geht es min. 50 Meter in den Abgrund und das ganze ohne Leitplanken oder anderen Sicherheitsabsperrungen, noch dazu kommen einem immer wieder vollbeladene Lastwagen entgegen und in der Tiefe sieht man immer wieder Lastwagen und Busse total zerstört liegen.

Diese Fahrt ist absolut nichts für Menschen mit schwachen Nerven und Höhenangst.

Für uns ist es echt schwer vorstellbar wie eine so wichtige Strecke, wo der meiste Warentransport zwischen Indien und Nepal stattfindet, in einem so schlechten Zustand sein kann. Aber ja, das ist Nepal und wer Abenteuer sucht, findet es auch genau hier!

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Dadurch dass die meisten Busse keine Türen und Fenster haben und die Straßen nicht asphaltiert sind, ist es extrem staubig. Schon nach kurzer Zeit haben wir uns Tshirts und Schals um das Gesicht gebunden und uns vermummt, um uns vor Staub und Dreck zu schützen.

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Nach ca. 6 langen Stunden über Berge und Täler erreichten wir das nepalesische Flachland wo auch der Chitwan National Park ist, von dort aus war die Busfahrt um einiges entpannter.

Das erste Stück der Straße wird gerade ausgebaut also sollten es in naher Zukunft auch bessere Verhältnisse herrschen.

Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin echt kein Angsthase aber diese Strecke ist echt nicht ohne, besonders weil auch die Busse in einem sehr schlechten Zustand sind. Aber Bhudda, Shiva, Ghandi, Ganesha und Mutter Teresa meinten es an diesem Tag wieder einmal gut mit uns =)

Kurz vor der Grenze machte der Bus an einer großen Straße halt und wir mussten unsere Rucksäcke nehmen und auf eine Riksha umsteigen, die uns dann zum Grenzübergang Sonauli brachte.

Angekommen in Sonauli, an der Grenze zwischen Nepal und Indien.

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Endlich waren wir an der Grenze zu Indien angekommen,da war es jedoch bereits vier Uhr nachmittags. Der Grenzübertritt zwischen Nepal und Indien verlief dann eigentlich ganz entspannt, wir gingen zuerst zum nepalesischen Grenzhaus, da wurden unsere Pässe ausgestempelt.

Dann ging es zu Fuß weiter nach Indien, zuerst wurden unsere Rucksäcke kontrolliert und dann waren wir schon quasi in Indien. Nach einer kurzen Suche fanden wir auch den indischen Grenzposten.

Endlich gefunden, wurde unser Visum gestempelt und schon waren wir ganz offiziel und legal in Indien, wenn man bedenkt wie lange wir für das Visum gebraucht haben war es ein sehr befreiendes Gefühl endlich in Indien zu sein.

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Im Großen und Ganzen war der Grenzübertritt sehr einfach und auch entspannt, fast alle haben uns bei Fragen weiter geholfen und wir haben uns in Indien willkommen gefühlt.

Das Abenteuer geht weiter, von Sonauli nach Gorakhpur

Auf der indischen Seite machten wir uns gleich auf den Weg zum Busbahnhof, um einen Bus nach Gorakhpur zu bekommen. Das klappte auch problemlos und es ging gleich los zu unserem ersten Stopp in Indien

Es gab von der Grenze auch Busse, die direkt nach Varanasi fuhren, aber der Gedanken weitere 13-15 Stunden im Bus zu sitzen gefiel uns so gar nicht, deswegen wollten wir unbedingt mit dem Zug weiter.

Wir wussten vorab nicht, ob in Gorakhpur ein Zug weiter nach Varanasi fuhr, wir wollten in Nepal noch keine Zugtickets kaufen, da wir nicht sicher waren wann und wo wir überhaupt ankamen, das erwieß sich später als großer Fehler….

Nach ca 4 Stunden weiterer Busfahrt kamen wir gegen 10 Uhr abends endlich in Gorakhpur an, da waren wir bereits 15 Stunden unterwegs, hatten nichts gegessen und waren total fertig und überfordert.

Angekommen im Chaos, angekommen in Gorakhpur

Gorakphur ist eine kleine Stadt im Nordosten von Indien. Nichts besonderes ausser, dass es scheinbar den längsten Zugbahnsteig von ganz Indien bzw. der Welt hat. Ob das stimmt, keine Ahnung! Wir haben es nur bei unseren Streifzügen durch den Bahnhof gelesen.

In unserem Reiseführer (Stefan Loose, Nord Indien) standen nur 2-3 Zeilen über den Ort und das die meisten Reisende den Ort meiden, am jetztigen Zeitpunkt können wir dies voll und ganz bestätigen =)

Wir haben uns im Vorfeld schon ein bisschen über die Stadt schlau gemacht, aber nicht wirklich was brauchbares gefunden. Wir haben auch bei Booking.com nachgeschaut, ob es überhaupt Unterkünfte gäb, wenn wir doch hier übernachten mussten.

Da wurden wir das erste Mal stuzig, es gab nur 3 gelistete Unterkünfte für Gorakphur und die hatten alle keine Bewertungen…

Der Bus hat uns direkt am Zugbahnhof herausgeschmissen und was uns hier gleich aufgefallen ist, dass hier für diese Uhrzeit noch richtig was los ist. Sehr viele Menschen, Restaurants die noch offen waren, viele Autos, Motorräder und Busse.

Das waren wir schon gar nicht mehr gewohnt, In Nepal ist um 8 Uhr abends fast alles leer und quasi ausgestorben und hier steppte der Bär.

Vor und in dem Bahnhof alleine waren sicher ca. 1000 Menschen die einfach nur am Boden rumsaßen oder schliefen.

Unser Plan war eigentlich ganz einfach; Wir gehn in den Bahnhof, kaufen uns Tickets und fahren so schnell wie möglich mit dem nächsten Zug in Richtung Varanasi…so weit so gut.

Ich glaube in jedem anderen Land hätte es auch so circa geklappt, aber das hier war Indien und Indien wäre nicht Indien, wenn alles so problemlos funktionieren würde.

Zug-Tickets kaufen ist in Indien eine Wissenschaft für sich…

So gingen wir in den ziemlich überfüllten Banhof und stellten uns enfach mal in die Schlange vor einem Schalter, kurz darauf bildete sich eine Traube an Menschen um uns, die uns einfach nur anstarrten.

Weiße Ausländer (und vor allem zwei junge hübsche Damen) waren hier eher selten, deswegen waren wir schon etwas besonderes.

Beim ersten Schalter wurde uns erklärt, dass wir zum Touristen Schalter müssten, so versuchten wir den Touristenschalter zu finden, der war aber schon geschlossen.

Wir teilten uns auf: Johanna und Anna Lena gingen zu nächsten Schalter, da wurde denen aber erklärt, dass Frauen nur am Frauen-Schalter Tickets bekamen, also gings zum Frauenschalter… der war dann aber  geschlossen.

Ich probierte mein Glück noch einmal bei einem normalen Schalter, da wurden mir aber auch keine Tickets verkauft. So ging das ganze Spiel ca. 2 Stunden lang. Irgendwann nach 15 Stunden Busfahren und 2 Stunden verzweifelten Versuches ein Ticket zu kaufen, platzte auch mir der Kragen.

Dann haben wir etwas gemacht, was einem normal in Asien überhaupt nicht hilft, aber hier scheinbar sehr gut funktionierte, wir wurden laut und haben mal mit der Faust auf dem Tisch geschlagen und gefragt was hier eigentlich los ist und wir endlich ein Ticket kaufen wollen.

Der letzte Satz an dem ich mich noch errinern kann war „Give me now a fucking Ticket“ und auf einmal war alles sehr einfach…

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Wir wurden dann nett hinter den Ticketschalter geboten und endlich wurden uns Tickets verkauft- Wir bekamen einen kurzen Einblick ins indische Ticket System (die Tickets wurden noch mit einen Nadeldrucker gedruckt…) und der PC auf dem unsere Tickets ausgestellt wurden lief mit DOS (un-fucking-glaublich!!) wenn man bedenkt, dass in Indien jeden Tag c.a 4 Millionen Menschen mit dem Zug fahren überraschte uns das System sehr.

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Egal, wir waren glücklich denn wir hatten endlich unsere Tickets für den nächsten Tag , um 5 Uhr morgens soll es endlich weiter gehen.

Auf Hotel / Loch-Suche in Gorakhpur

Nachdem wir endlich unsere Tickets hatten wollten wir unbedingt noch duschen und vielleicht noch 2-3 Stunden schlafen bevor es endlich zu unserem Ziel Varanasi ging.

Wir suchten uns gegenüber vom Bahnhof ein Hotel. Das Wort Hotel war da noch sehr nett ausgedrückt denn eigentlich war es ein Loch mit 3 Betten drinnen.

Ich bin überhaupt nicht pingelig, aber das war echt ein Loch, sobald wir das Licht an machten verkroch sich quasi ein ganzer Streichelzoo unter dem Bett, aber wir konnten uns endlich den Staub von 15 Stunden Busfahrt runter waschen. Gott sei Dank hatten wir unsere Schlafsäcke dabei und wir beschlossen das Licht über Nacht besser nicht aus zu machen.

Endlich auf dem Weg nach Varanasi

Nach 2-3 Stunden Schlaf ging es dann wieder zum Bahnhof wo dann unser Zug pünktlich ankam (was in Indien keine Selbstverständlichkeit ist) und es ging im Schlafwagon (der uns positiv überraschte) in Richtung Varanasi…endlich!

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Der erste Tag in Indien hatte alle Klischees erfüllt und es konnte nur mehr besser oder noch schlechter werden. Aber unsere restliche Reise war um vieles besser als unsere ersten Stunden in dem Land.

Aber eines ist sicher, Gorakhpur sieht uns so schnell nicht wieder!

Jetzt im Nachhinein wäre es mit dem Flugzeug um einiges einfacher und vielleicht günstiger gewesen aber wer will es denn schon einfach haben wenn man auch etwas erleben kann…

Wer es uns nachmachen will, dem können wir nur am Herzen legen, sich schon in Nepal um Zug Tickets zu kümmern das macht die ganze Sache um einiges einfacher und entspannter.

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Kommentare

  1. Wir haben das gleiche versucht. Tickets fur den guten Bus in Pokhara gekauft, früh zum Busbahnhof und dann dort die Überraschung. Streik und Militärsperre an der Grenze, die nachsten Tage kommen wir da nicht rüber. Also unsere Tickets entsorgt (natürlich kein Geld zurück) unsere letzten Rupies zusammengekratzt und dann mit dem Bus zurück nach Kathmandu und dort am Nächsten Tag mit dem Flugzeug nach Indien. Vielleicht wars Glück im Unglück und so wurde uns die lange Busfahrt erspart. 🙂

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