Der spirituelle Ort am heiligen Ganges – Willkommen in Varanasi

Lautes Hupen, viele Meschen, Ritualschreie und Kühe zwischen den engen Gassen der Altstadt: Namaste Varanasi! In keiner Stadt Indiens liegt Leben und Tot so nah aneinander wie hier.

Varanasi in Worte zu fassen, scheint uns beinahe unmöglich, hier versuche ich jedoch unser Erlebnis dieser so verrückten und gleichzeitig fesselnden Stadt zu beschreiben, erleben muss man diesen spirituellen Ort am heiligen Ganges jedoch selbst.

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Namaste Varanasi – Der heilige Ort am Ganges

Vor unserer Indienreise, haben wir uns nicht wirklich viele Gedanken gemacht, wohin und wie lange wir wo bleiben, da wir davor einen zwei wöchigen Aufenthalt in Nepal hatten, wollten wir den Subkontinen einmal von Osten in Richtung Westen durchqueren.

Als erster Stopp hatte sich daher die doch sehr bekannte heilige Stadt Varanasi angeboten, welche direkt am Fuße des Ganges liegt. Nach einer langen und aufregenden Bus und Zugfahrt reisten wir von Gorakpur in die heilige Stadt, mehr über unsere Reise von Nepal nach Indien findest du hier..

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Schon auf unserer Reise durch Nepal, haben wir immer wieder von anderen Reisenden gehört, dass Varanasi auf jeden Fall eine Full- Expierence Indien verspricht und bei dem einem oder anderen schon für einen Schockmoment gesorgt hat.

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Aber auch das hat uns nicht abgeschreckt, dass Varanasi unser erster Stopp auf unserer Indienreise wird, wir waren ja immerhin schon viel gereist und richtig geschockt hat uns bis jetzt erst wenig, jedoch das sollte sich in dieser verrückten Stadt ändern.

Anreise nach Varanasi

Wir sind von Pokhara (Nepal) angereist, das heißt zuerst mit dem Bus bis an die Grenze von Indien genauer gesagt nach Sounali, dann mit dem Bus weiter nach Gorakpur und von dort aus mit dem Zug nach Varanasi. Die meisten Touristen kommen jedoch vom Westen des Landes, sprich Agra, Delhi, oder sogar südlich von Goa oder Mumbai.

Anreise mit dem Zug nach Varanasi

Varanasi verfügt über einen großen Bahnhof mit zwei verschiedenen Stationen, vonwo aus man quasi aus ganz Indien anreisen kann. Das Zugnetz in Indien ist sehr gut ausgebaut und vor allem auch absolut preiswert.

Wer mit dem Zug anreisen will, sollte sich jedoch einige Tage vor der Reise schon ein Ticket kaufen, denn die Tickets in die heiligste Stadt Indiens sind meist sehr schnell vergriffen, besonders in der 1. oder 2. Klasse mit Platzwahl, Ventilator, Klimaanlage, oder sogar Schlafmöglichkeit.

Für die dritte Klasse wird man in Indien immer Tickets bekommen, jedoch muss man damit rechnen, dass man sich mit vier anderen Indern seinen Platz teilt. 😉

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Von Agra und Delhi aus gibt es täglich Nachtzüge, wo man für nur wenig Geld sogar eine Schlafmöglichkeit hat und nachts die Reise antreten kann.

Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesen Zügen gemacht, die Betten waren sauber und bequem, außerdem spart man nicht nur Zeit, sondern auch das Geld für eine Übernachtung.

Anreise mit dem Flugzeug nach Varanasi

Der Lal Bahadur Shastri International Airport befindet sich etwa 25km nordwestlich von Varanasi. Den Flughafen kann man von vielen Destinationen Indiens anfliegen, von Delhi aus gibt es mehrmals täglich Flüge unter anderem mit Emirates, IndiaGo und JetAirways. Vom Flughafen aus nimmt man sich am besten ein Taxi oder ein Tuk Tuk und handelt schon im Vorhinein den Preis aus.

Varanasi – Ein mittelalterliches heiliges Labyrinth

Was es auf jeden Fall zu beachten gibt ist, dass man die Altstadt, in der sich die meisten Hotels befinden , weder mit Autos noch mit Tuk Tuks befahrbar kann. Man wird daher vor den Toren der Stadt abgesetzt und muss sich selbst den Weg zum Hotel suchen, besser aber man fragt einen indischen „Schlepper“, also einen Einheimischen der einem den Weg zeigt, denn die Altstadt von Varanasi ist ein absolutes Labyrinth und man hat sozusagen keine Chance alleine das Hotel zu finden. Außerdem verdient auch so die einheimische Bevölkerung ihre Rupies!

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In Varanasi bestimmt der Tod den Alltag der Straßen, jedoch haben wir noch nie in unserem Leben eine solch spirituelle Stadt wie Varanasi besucht.

Varanasi ist auch bekannt als die älterste durchgehend bewohnte Stadt der Welt, im Verlauf ihrer Existenz war diese auch als Kashi oder Benares bekannt, außerdem wird Varanasi als „Rom Asiens“ genannt.

“Benares is older than history, older than tradition, older even than legend, and looks twice as old as all of them put together”

Mark Twain

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Die Stadt liegt am linken Fußufer des Ganges. Mit über 2600km Länge ist der Ganges, der zweitgrößte Fluss Indiens und entspringt in den Höhen des Himalaya Gebirges nahe der Grenze zu Tibet.

Der Fluss hat in Indien einen außergewöhnlich großen Stellenwert und gilt so als die Lebensader der Inder und Hinduisten. Millionen Besucher, die jedes Jahr nach Varanasi an das Ufer des Ganges pilgern glauben, dass das Wasser des Ganges sie von allen Sünden befreit.

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So ist es auch nicht unüblich, dass man Menschen das Wasser trinken sieht, während der Fluss aber zu den am schlimmsten verschmutzten Gewässern der Welt gehört.

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Der Geruch der Stadt Varanasis – die Verbrennungs Ghats

365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag werden hier an den Verbrennungsghats in Varanasi Hinduisten aus ganz Indien eingeäschert. Unzählige aufgebahrte Leichen werden auf Händen der Angehörigen, meist der ältesten Söhne, direkt zum Wasser getragen, um dort ihre letzte Waschung mit dem heiligen Nass des Ganges zu erhalten.

Von weitem konnten wir die riesigen Holzstapel sehen, in welchen die toten menschlichen Körper verbannt werden.

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Überfordert mit all den Eindrücken starrten wir beinahe atemlos in Richtung der Ghats und an den heiligen Fluss, der Geruch von verbrannten menschlichen Fleisch setzte sich nicht nur in unserer Nase fest, sondern auch in den Fasern unserer Kleidung.

Nicht nur die Rauchschwaden, welche über den Fluss zogen, auch die unzähligen Leichenteile, welche im Fluss treiben versetzten unseren Gesichtsausdruck in einen Schockzustand. Unser erste Gedanke war, nur nicht mit dem Wasser in Berührung kommen, denn hier lassen die Kolibakterien nur so grüßen.

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Für unzählige Inder ist die Verbrennung am Ganges, die Vollendung des Lebens. Es gilt als oberstes Ziel in der heiligen Stadt Varanasi zu sterben und im Ganges beigesetzt zu werden.

Aber die Inder bzw. Hindus kommen nicht nur zum Sterben in die Stadt, sondern schon Monate oder Jahre bevor sie sterben, kommen sie zum heiligen Wasser und Waschen sich hier von ihren Sünden rein.

Im Hinduismus ist der Tod keineswegs ein Trauerfall wie in der westlichen Welt , die Verstorbenen gehen lediglich aus ihrem Körper und kommen hier nach Varanasi um den Kreislauf der Wiedergeburt zu unterbrechen und den direkten Weg ins Moksha zu finden.

Hinduisten, welche am Fuße des Ganges ihre Ruhe finden, sparen oft ihr Leben lang, um solch eine Zeremonie bzw. Einäscherung bezahlen zu können.

Zeremonien an den Ghats von Varanasi –Ganga Aarti

Täglich finden am frühen Abend 6pm die Zeremonien am Dashashawamedh Ghat in de Nähe des Kashi Vishwanath Tempel statt. Die gesamte Zeremonie wir von sogenannten Pandits durchgeführte, einem indischen religiösen Gelehrten.

Gemeinsam werden bei rhythmischen Gesängen, Räuscherstäbchen und kleine Feuerlampen geschwänkt. Außerdem werden bei dieser Zeremonie täglich hunderte oder sogar tausende Feueropfer gebracht, das heißt kleine Lichter und Blüten werden auf ein Schiffchen gesetzt,welches dann mit der Strömung den Ganges hinunter treibt.

Die kleinen Kerzen opfert man der Göttin Ganga, während der gesamten Zeremonie verehrt man jedoch auch die Gottheit Shiva.

Direkt an den Ghats herrscht ein dichtes Menschentreiben, welches für einen selbst oft sehr befremdlich wirken kann, hier kann man jedoch die Spiritualität der Stadt Varanasi in vollen Zügen erleben, die gesamte Zeremonie zu beschreiben ist fast unmöglich, am besten man erlebt diese mit eigenen Augen.

Wir haben uns während unserem Aufenthalt in Varanasi dazu entschlossen, die gesamte Ganga Aarti Zeremonie vom Boot aus anzusehen. Am Ufer des Ganges bieten viele Bootsbesitzer eine kleine Tour am Ganges an. Zuerst kann man während dem Sonnenuntergang noch die Verbrennungsghats ansehen und danach platziert man sich vor dem Geschehen des Abenrituales.

Die rituellen Gesänge sowie die gesamte Stimmung ist absolut mysthisch und toll, aber auch ein gewöhnungsbedürftiges Erlebnis. Auf den Booten direkt am Ganges kann man sich für sehr wenig Geld auch Kerzen und Schiffchen kaufen, welche man dann während der Zeremonie in den Fluss setzt und wegtreiben lässt.

Die gesamt Bootsfahrt haben wir gemeinsam mit anderen Reisenden gemacht, welche wir am Flussufer getroffen haben, dadurch war die Fahrt mit circa 200 Rupies pro Person für über eine Stunde sehr billig.

Natürlich gibt es hier auch verschiedene Angebote , zum Beispiel kann man auf das andere Ufer übersetzen oder mehrere Ghats besuchen. Jedoch sollte man auf jeden Fall sein Verhandlungsgeschick bei den Bootsbetreibern auspacken.

Varanasi – Mehr Indien geht nicht!

Varanasi hat uns nicht nur schockiert, sondern auch in einen Bann gezogen. Noch heute ein Jahr danach sprechen wir noch oft von unseren Erfahrungen und den absurden Erlebnissen, welche wir in dieser verrückten Stadt erlebt haben.

Noch nie wurden uns in einer Stadt so viele Bootsfahrten, Drogen, Unterkünfte und vieles mehr angeboten.

Der Hinduismus wird in dieser Stadt greifbar gemacht, die Spiritualität und die gesamten Rituale haben uns während dem Aufenthalt überfordert und gefordert.

In Varanasi hat sich unser Blick auf das Ausleben einer Religion, sowie auf Rituale und den Tod verändert, jedoch würde ich jedem einzelnen Reisenden raten diese Stadt zu besuchen. Auch wir planen eine Rückkehr nach Varanasi, wo Leben und Tod so nah aufeinandertreffen.

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Studentin, 22 Jahre alt, Vegetarierin, ich habe insgesamt 8 Monate in Costa Rica gelebt und jetzt Asien kennen und lieben gelernt.

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